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Forstunfall mit Rückewagen als Übungsszenario

Geschrieben von Florian Dürrbeck am .

Ausbildung 15.000 Festmeter sind es jährlich, die allein der Freistaat im Landkreis ERH schlägt. Hinzu kommen noch weitere 10.000 Waldbesitzer, die im Landkreis der Forstarbeit nachgehen oder nachgehen lassen. Da das Gefährdungspotential der Waldarbeit weit höher liegt als in anderen Tätigkeiten, sind für Feuerwehren Einsätze im Bereich Forst nicht ungewöhnlich.

Auch Höchstadt ist umgeben von Wäldern, die jeden Winter durch Forst bewirtschaftet werden. Um sich auf diese Herausforderungen vorzubereiten, thematisierte die IG-THL am vergangenen Samstag (03.02.2018) Unfälle mit Personenbeteiligung im Wald.

Seit geraumer Zeit werden nicht nur im gewerblichen Bereich vermehrt sogenannte Holzvollernter und Rückewagen eingesetzt. Schwere Maschinen auf weichem, abschüssigem Untergrund bergen stets ein hohes Risiko. Ein mit Baumstämmen beladener Anhänger kommt auf bewachsenem Waldboden ins Rutschen und klemmt einen Arbeiter zwischen Baum und Gerät ein. Die Person ist mit eigener Kraft nicht mehr zu befreien. Es werden Rettungskräfte mit speziellem Gerät benötigt. Hier setzte die Übung der Interessengemeinschaft zusammen mit der Feuerwehr Etzelskirchen an und übte im Gemeindewald zwei verschiedene Szenarien. Unbedingt zu beachten ist bei Einsätzen im Forst der Eigenschutz, sprich Helmpflicht. Zu jeder Zeit können sich morsche Äste lösen und Einsatzkräfte lebensgefährlich verletzen.

Jeder Einsatz beginnt mit der Erkundung durch Zug - und Gruppenführer. Diese legten ihre Erkundungsergebnisse in der Gruppe dar und diskutierten mit den Übungsteilnehmern die Lage und vor allem die Möglichkeiten zur Entschärfung der Situation. Die Einsatzleitung entscheidet sich in gegenseitiger Absprache für ein Anschlagen am Rückewagen mittels Rundschlinge und Mehrzweckzug 16. Dieser kann im dichten Bewuchs einfacher positioniert werden, als die stärkere Winde des Rüstwagens. Die Bedienung der Zwangslenkung, die in diesem Szenario als noch funktionsfähig angenommen wurde, kommt keinesfalls in Frage. Die Unsicherheit der Bedienung und die psychische Belastung des Bedieners machen eine gesicherte Aktion unmöglich. Die Entscheidung hat sich im Nachhinein als richtig herausgestellt. Der Rückewagen konnte um die erforderliche Distanz bewegt und die Person befreit werden.

Letztes Jahr im Januar wurde die Feuerwehr Höchstadt zu dem Stichwort „Forstunfall mit eingeklemmter Person“ alarmiert. Das zweite Unfallszenario setzte eben diese Alarmmeldung um und wurde nach einer kurzen Nachbesprechung und einem Wechsel der Einsatzleitung sowie der Gruppenführer abgearbeitet. Für das Anheben eines Baumes stehen der Feuerwehr mehrere Möglichkeiten zur Verfügung. Zum einen kann der Einsatz von hydraulischem Gerät, wie dem Spreizer angeordnet werden. Zum anderen offeriert der pneumatische Bereich weitere Optionen. Während die auf dem Rüstwagen verlasteten Niederdruckhebekissen mit ungefähr 1,5 Bar betrieben werden und eine höheren Hubweg ableisten, sind die Hochdruckhebekissen einfacher zu handhaben, besitzen jedoch weniger Hubdifferenz, die dem Rettungspersonal zur Verfügung steht. Unabdingbar ist bei einem Einsatz der Hebekissen das Unterbauen des zu hebenden Objektes. In diesem Fall erwies sich die Kombination zweier Hochdruckhebekissen als das richtige Mittel der Wahl und der nötige Weg konnte zur erfolgreichen Rettung absolviert werden.

Die Übung zeigte, dass besonders im Bereich der Forstwirtschaft erhebliches Gefahrenpotential vorhanden ist, welches die Feuerwehren im Bedarfsfall in den Mittelpunkt der Rettungsmaßnahmen rückt. Eine Vorbereitung auf solche Einsätze und eine Steigerung des Gefahrenbewusstseins sind im Optimalfall das Resultat solch einer Übung. Dies konnte die Interessengemeinschaft „Technische Hilfeleistung“ in Zusammenarbeit mit der Feuerwehr Etzelskirchen zweifelsfrei unter Beweis stellen.