Werden Feuerwehrleute verheizt?
Alarm Seit Einsätze von den Integrierten Leitstellen gesteuert werden, müssen die Aktiven öfter umsonst ausrücken.
Eine automatische Brandmeldeanlage in einer Fenster-Fabrik in Frimmersdorf schlug dieser Tage Alarm. Noch ehe jemand mitteilen konnte, dass es sich wieder einmal um einen Fehlalarm handelte, waren die ersten Feuerwehren schon angerückt.
Aus Frimmersdorf, Vestenbergsgreuth, Höchstadt und Uehlfeld rasten die Einsatzfahrzeuge heran, um auf dem Firmenparklatz gleich wieder umzukehren. Eine Vielzahl von Feuerwehrleuten hatte für eine knappe Stunde ihren Arbeitsplatz verlassen. Hätte man diese Großalarmierung vermeiden können?
Vor einem guten Jahr wäre das eine oder andere Feuerwehrauto in der Halle geblieben. Bis damals gingen Notrufe noch bei der Polizei in Höchstadt ein. Jetzt landen sie bayernweit in neuen Integrierten Leitstellen - die Hilferufe aus dem Landkreis Erlangen-Höchstadt beispielsweise in Nürnberg.
Schwieriges Thema
"Die Zusammenarbeit mit der Leitstelle in Nürnberg klappt gut", sagt Kreisbrandmeister Willi Oed, auch Kommandant der Feuerwehr Weisendorf. Er ist der Verbindungsmann zwischen Landkreis-Wehren und Leitstelle. Oed räumt ein, dass es immer „Kleinigkeiten" gebe. Kleinere Fehler würden allerdings sofort behoben. Der Kreisbrandmeister verwendet aber auch den Begriff "schwieriges Thema", wenn er über die seit mehr als einem Jahr praktizierte neue Art der Alarmierung spricht.
Hinter vorgehaltener Hand kritisieren aktive Feuerwehrleute das System. So gibt es Klagen darüber, dass in den Leitstellen Leute sitzen, denen die Ortskenntnis fehlt. Während die Leitstelle Nürnberg noch relativ gut wegkommt, ist die Kritik an der Bamberger Leitstelle deutlicher.
Ein Schlüsselfelder Feuerwehrmann beklagt bei Einsätzen immer wieder "eine Vielzahl von Rettungs- und Feuerwehrfahrzeugen, die nicht gebraucht werden". Freiwillige Helfer würden verheizt und irgendwann vielleicht nicht mehr kommen, wenn sie immer wieder ausrücken aber nicht eingesetzt werden.
"Es gibt noch Abstimmungsbedarf", stellt Georg Krug fest. Er ist selbst ein erfahrener Feuerwehrmann und seit einigen Wochen Kommandant der Schlüsselfelder Wehr. Krug fragt sich mit seinen Leuten, ob immer gleich "so hoch" alarmiert werden muss. Manche Einsätze würden unter den Aktiven schon unter dem Begriff Feuerwehrfeste die Runde machen.
Ein solches hätte gestern Nachmittag in Zeckern gefeiert werden können, als in der Wiesenstraße ein Küchenbrand gemeldet wurde. Nach wenigen Minuten hatte die Ortswehr aus Zeckern den Brand gelöscht. Ausgerückt waren aber auch die Stützpunktwehr aus Höchstadt mit vier Fahrzeugen, Adelsdorf mit zwei, Röttenbach mit zwei und Hemhofen mit einem - natürlich jeweils mit voller Besatzung.
Alarmplan vom Computer
Dieser Fall aus dem Zuständigkeitsbereich der Leitstelle Nürnberg bestätigt die Erfahrungen der Schlüsselfelder, die von Bamberg aus alarmiert werden. Georg Brand, Betriebsleiter der Leitstelle Bamberg, weist den Schwarzen Peter von sich: "Es hat sich inzwischen eingespielt." Beim Anlaufen des neuen Alarmierungssystems hatte es eine Durststrecke gegeben, aber jetzt laufe es.
Welche Wehren zu welchen Einsätzen geschickt werden, bestimme der Computer. Der richte sich nach den vom Kreisverwaltungsbüro und den Feuerwehren eingegebenen Alarmplänen, sagt Brand.
Wer in der Leitstelle den Notruf annimmt, lässt sich die näheren Umstände erläutern und gibt dann so genannte Alarmstichworte in den Computer ein. Dann läuft die automatische Alarmierung an.
Der Computer sucht sich die nächsten Wehren und sollte eigentlich wissen, wer welche Ausrüstung hat. In der Praxis stellt Schlüsselfelds Kommandant Krug fest, dass zu einem Lkw-Brand auf der A3, zu dem 12 000 Liter Löschwasser gebraucht werden, so viele Autos gerufen werden, bis die programmierte Vorgabe erreicht ist. "Da können dann schon mal zehn Feuerwehrautos mit kleineren Wassertanks die Autobahn blockieren", sagt Krug.
Sind dazu noch acht Atemschutzgeräte nötig, ruft der Computer weitere Autos herbei, ohne zu berücksichtigen, dass die Fahrzeuge mit den Wassertanks bereits Atemschutz an Bord haben, berichtet Krug.
Arbeitgeber verstimmt
Mit Entfernungen zum Einsatzort tue sich der Computer ebenfalls schwer. Wenn zum Großbrand in Altershausen alle möglichen Wehren alarmiert werden, die aus dem benachbarten Vestenbergsgreuth aber nicht, sei das für Krug nur schwer nachzuvollziehen.
Zum Problem wird langsam auch die steigende Zahl von Fehlalarmen. Häufige Einsätze der Feuerwehrleute verstimmen so manchen Arbeitgeber, der dann seine Leute nicht mehr weglässt. Aber auch unter den Aktiven steigt das Frustpotenzial, "wenn man ausrückt, und dann brennt - wenn überhaupt - nur ein Papierkorb", berichtet ein betroffener Feuerwehrmann. Und dann ist da oft auch noch die eigene Familie, die für solche Einsätze verlassen wird.  |